Einsteigerberatung

Ich möchte Gitarrenunterricht nehmen und brauche dafür eine Gitarre, habe aber eigentlich keine Ahnung, wie ich bei dem riesigen Angebot mit meinem Budget etwas passendes finde – was mache ich denn jetzt?
Grundlegend ist es so, dass sich – zumindest nach einer Zeit Spielpraxis herausstellt, dass schlechte Instrumente auf jeden Fall das Können und damit auch meist die Motivation und den Spaß mindern, wenn nicht schon von Anfang an, denn der ist ja bekanntlich schon schwer.
Daher würde ich keinesfalls auf Angebote bei Amazon/Discounter eingehen, die eine Gitarre oder ein Set für 50€-80€ anbieten.
Das Argument „ aber wenns dann keinen Spaß mehr macht, steht sie ja eh nur rum“ zieht auch kaum, denn solche Instrumente kann man danach fast nicht mehr lukrativ verkaufen, bessere hingegen schon. Gute (gerade Einsteiger-) Instrumente werden eigentlich immer gesucht und der Wertverlust hält sich eher in Grenzen.
Kurz gesagt: Kaufe ich eine Gitarre für 80€ bekomme ich vielleicht noch 30%, bei einer Gitarre für 300€ mit Rang und Namen gerne auch 70% des Kaufpreises.
Worauf ist also zu achten?!
Klassik- und Westerngitarren
Erst einmal zu unterscheiden:
Westerngitarren haben (wie E-Gitarren) Stahlsaiten, einen schmalen, einstellbaren Hals und werden bis auf wenige Ausnahmen zum Begleiten von Liedern genutzt. Halt das, was man klischeehaft am Lagerfeuer spielt. Natürlich kann man damit aber auch mehr machen.
Klassische Gitarren haben Nylon Saiten, einen breiten Hals und werden genutzt um sowohl Melodiestimme als auch Begleitung zu spielen. Oder eben Klassische Musik.
Der Vorteil: Es gibt sie in verschiedenen Größen und werden daher meist als Einsteigerinstrumente genommen. Die verschiedenen Größen sind dabei direkt den Körpergrößen zugeordnet.
E-Gitarren
Hier wird es tatsächlich noch viel komplexer:
Die E-Gitarre gibt es in verschiedenen Formen, Klassiker sind die Stratocaster, die Telecaster und die Les Paul.
Mal abgesehen von der Optik unterscheiden sie sich auch in der Konstruktion, den Tonabnehmern und der Brücke – was hier die wichtigsten Faktoren sein sollen:
Nicht jeder Tonabnehmer passt zu jeder Musikrichtung. Die Stratocaster oder die Tele hat in der Regel einen (oder mehrere) Singlecoil(s) (also einspultigen) Tonabnehmer. Wenn man damit Metal oder Rock spielen will, wird man den fetten, satten Ton vermissen, den man hier gerne hätte. Spielerisch kann man das dann leider nicht ausgleichen. Hierfür würde ich immer Gitarren mit Humbucker (also zweispulige) Tonabnehmer bevorzugen. Das schöne dabei ist, dass viele Gitarren mit Humbucker diesen wiederum splitten können, damit man nicht nur eine Musikrichtung bedienen kann.
Bei Brücken unterscheide ich hier erst einmal nur feste Brücken und Tremolo Systeme.
Die feste Brücke ist mit dem Korpus verschraubt und lässt einen Saitenwechsel oder kleine Einstellarbeiten recht unkompliziert vornehmen. Bestenfalls werden die Saiten durch den Korpus geführt, was zu mehr Sustain (also wie stark der Korpus schwingt bzw. wie lange der Ton „stehen“ bleibt) führt. IdR. Sind feste Brücken auch günstiger und treiben den Preis des Instruments nicht unnötig in die Höhe.
Tremolosysteme sind komplizierter, da sie beweglich sind und der Saitenzug vorne auf der Rückseite mit Federn ausgeglichen wird. Alleine das so einzustellen, dass man nicht ständig nachstimmen muss, braucht Erfahrung und stört am Anfang. Änderungen der Stimmung für entsprechend gespielte Lieder sind damit auch aufwendiger.
Dazu kommt der Preis für ein gut funktionierendes System: der liegt zwischen 150-270€.
Kauft man also eine Gitarre für 150€ muss man leider davon ausgehen, dass man mit dem Tremolo mehr Probleme haben wird, als Nutzen.
Fazit: bestenfalls kaufe ich eine Gitarre mit fester Brücke und (splitbaren) Humbuckern.
Bei der Bauform kommt es eher auf den Geschmack an. Ich spiele schon immer Gitarren, die der Strat nachempfunden sind und tue mir auf einer Les Paul schwer.
Warum?
Eine Strat hat normalerweise einen gerade eingeschraubten Hals und eine tief liegende Brücke, bei der Les Paul ist der Hals mit einem größeren Winkel eingebaut und die Brücke höher. Technisch muss man die rechte Hand dadurch anders halten und (zumindest im Unterricht) wird die Suche nach der richtigen Position dadurch etwas schwerer.
Fazit: bestenfalls kaufe ich eine Gitarre mit fester Brücke und (splitbaren) Humbuckern – am liebsten in Form einer Strat.
Wer macht sowas?
Für mich ist die beste Gitarre unter 500€, auf die all das zutrifft, die IBANEZ RG 421 oder RG 321.
Einfach, flexibel durch ein großes Soundspektrum, gut verarbeitet und sehr komfortabel zu spielen. Eine Gitarre, die man auch nach 5 Jahren noch gerne in die Hand nimmt und nicht frustriert verstauben lässt.
Wem die Form oder Optik nicht gefällt, für den gibt es auch noch die Ibanez S521, die grundsätzlich die gleichen Vorteile bietet.
Wer weniger ausgeben möchte kann sich die „kleine Schwester“ anschauen – die Ibanez Gio GRG121. Die Abstriche bei günstigeren Gitarren würde ich persönlich nur ungern akzeptieren.
Funktionieren kann alles, ist aber auf jeden Fall mit vielen Kompromissen verbunden.
 
Wer mehr ausgeben will kann natürlich gerne fragen – je nachdem findet man immer etwas passendes.
Nebenbei – gerne eine gebrauchte Gitarre kaufen die mehr Qualität bietet – das macht auf jeden Fall auch mehr Spaß!